Arztbrief schreiben: Aufbau, Formulierungen und ein Beispiel
Ein praktischer Leitfaden zum Arztbrief: Welche Abschnitte hineingehören, bewährte Formulierungen und Textbausteine, ein kurzes Beispiel – und wie der Brief am Ende deutlich schneller fertig wird.
Der Arztbrief ist das Dokument, das eine Behandlung nach außen trägt: Er fasst zusammen, was war, was ist und was als Nächstes ansteht – für die weiterbehandelnde Kollegin, die Hausärztin oder die eigene Akte. Ein guter Arztbrief ist deshalb keine Pflichtübung, sondern echte Kommunikation. Dieser Leitfaden zeigt, welche Abschnitte hineingehören, welche Formulierungen sich bewährt haben, und wie aus dem Gespräch am Ende schneller ein fertiger Brief wird.
Was in einen Arztbrief gehört
So unterschiedlich Fachrichtungen schreiben – die Grundstruktur eines Arztbriefs ist erstaunlich einheitlich. Sie folgt dem natürlichen Ablauf einer Behandlung: vom Anlass über die Befunde bis zur Empfehlung. Die folgende Übersicht zeigt die klassischen Abschnitte und was in jeden gehört.
Der Aufbau Schritt für Schritt
Die Reihenfolge folgt einer einfachen Logik: Zuerst die schnelle Orientierung (Diagnosen), dann die Begründung (Anamnese, Befunde, Verlauf), dann die Einordnung (Epikrise) und schließlich der Blick nach vorn (Procedere). Wer diese Dramaturgie einhält, schreibt automatisch lesefreundlich.
- Diagnosen zuerst: Die empfangende Person soll auf einen Blick wissen, worum es geht. Haupt- vor Nebendiagnosen, das Wichtigste oben.
- Anamnese knapp halten: Relevante Vorgeschichte ja, vollständige Lebensgeschichte nein. Was trägt zur aktuellen Entscheidung bei?
- Befunde gefiltert: Nicht jeder Laborwert gehört in den Brief – nur die, die eine Aussage stützen.
- Epikrise als Herzstück: Hier zeigt sich ärztliches Denken. Ein bis zwei Absätze, die Diagnosen, Befunde und Verlauf zu einem schlüssigen Bild verbinden.
- Procedere konkret: Wer übernimmt was bis wann? Vage Empfehlungen erzeugen Rückfragen.
Bewährte Formulierungen und Textbausteine
Wiederkehrende Sätze müssen nicht jedes Mal neu erfunden werden. Ein kleiner Vorrat an Textbausteinen spart Zeit und sorgt für einen einheitlichen, professionellen Ton. Wichtig ist nur, sie bewusst an den Einzelfall anzupassen – ein Baustein ist ein Gerüst, keine fertige Aussage.
- Anrede: „Sehr geehrte Frau Kollegin, wir berichten über unsere gemeinsame Patientin …“
- Aufnahmegrund: „… stellte sich am [Datum] mit [Leitsymptom] vor.“
- Befund unauffällig: „Die klinische Untersuchung ergab einen altersentsprechend unauffälligen Befund.“
- Verlauf: „Der stationäre Verlauf gestaltete sich komplikationslos.“
- Entlassung: „Wir konnten die Patientin am [Datum] in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen.“
- Schlussformel: „Für Rückfragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung. Mit kollegialen Grüßen“
Ein kurzes Beispiel
Wie das im Zusammenspiel aussieht, zeigt ein knapper Auszug aus einer Epikrise – kompakt, aber vollständig genug, um die nächste behandelnde Person handlungsfähig zu machen:
Die 64-jährige Patientin stellte sich mit seit drei Tagen bestehenden, belastungsabhängigen Thoraxschmerzen vor. Bei unauffälligem EKG und negativem Troponin ließ sich ein akutes Koronarsyndrom ausschließen. Im Verlauf zeigte sich die Symptomatik unter konservativer Therapie rückläufig. Wir empfehlen eine ambulante kardiologische Kontrolle innerhalb von zwei Wochen sowie die Fortführung der bestehenden Medikation.
Stil: kurz, klar, freundlich
Ein Arztbrief darf gut lesbar sein, ohne an Präzision zu verlieren. Ein paar Gewohnheiten helfen dabei:
- Kurze Sätze: Ein Gedanke pro Satz liest sich schneller als verschachtelte Konstruktionen.
- Aktiv statt Passiv: „Wir haben angepasst“ ist klarer als „Es wurde eine Anpassung vorgenommen“.
- Abkürzungen sparsam: Geläufige Kürzel sind in Ordnung, seltene besser einmal ausschreiben.
- Ein freundlicher Ton: Der Brief geht an einen Menschen, der weiterbehandelt – nicht an ein Archiv.
Den Arztbrief schneller fertigstellen
Der eigentliche Aufwand liegt selten an der Struktur – die sitzt nach den ersten Dutzend Briefen. Er liegt am Schreiben selbst, oft abends und aus dem Gedächtnis. Hier haben sich über die Jahre verschiedene Wege entwickelt: vom klassischen Diktat über die medizinische Spracherkennung bis zur ambienten KI-Dokumentation, die das Patientengespräch mithört und daraus selbstständig einen strukturierten Entwurf erstellt.
Statt den Brief aus dem Kopf zu rekonstruieren oder ihn laut zu diktieren, liegt der gegliederte Entwurf dann bereits vor, wenn das Gespräch endet – Diagnosen, Anamnese, Befunde und Procedere an ihrem Platz, jede Aussage an die Gesprächsstelle gebunden. Wie dieser Ablauf konkret funktioniert, zeigt unser Beitrag vom Gespräch zum Arztbrief. Die ärztliche Aufgabe verschiebt sich damit vom Schreiben zum Prüfen und Freigeben.
Die Struktur eines guten Arztbriefs lernt man einmal. Die Zeit, die er kostet, verhandelt man jede Woche neu.
Häufige Fragen
- Wie ist ein Arztbrief aufgebaut?
- Ein Arztbrief folgt in der Regel dieser Reihenfolge: Briefkopf und Anrede, Diagnosen (Haupt- vor Nebendiagnosen), Anamnese, Untersuchungsbefunde, Therapie und Verlauf, die zusammenfassende Beurteilung (Epikrise), das Procedere mit konkreten Empfehlungen sowie eine freundliche Schlussformel mit Unterschrift.
- Was ist die Epikrise im Arztbrief?
- Die Epikrise ist die zusammenfassende ärztliche Beurteilung. Sie verbindet Diagnosen, Befunde und Verlauf zu einem schlüssigen Gesamtbild und ordnet ein, wie alles zusammenhängt. Sie gilt als Herzstück des Arztbriefs, weil sich darin das ärztliche Denken zeigt.
- Wie lang sollte ein Arztbrief sein?
- So kurz wie möglich, so lang wie nötig. Entscheidend ist, dass die weiterbehandelnde Person handlungsfähig ist. Für viele Fälle reicht eine Seite; relevant sind die entscheidungsrelevanten Befunde, nicht die Vollständigkeit jeder Messung.
- Lohnt es sich, den Arztbrief zu diktieren?
- Diktieren spart das Tippen, bleibt aber ein zusätzlicher Arbeitsschritt nach dem Gespräch. Ambiente KI-Dokumentation geht einen Schritt weiter: Sie hört das Gespräch mit und erstellt den strukturierten Entwurf automatisch. Ein Vergleich der Wege findet sich im Beitrag zu Diktiergerät, Spracherkennung und ambiente KI.
Geschrieben vom Dr. Lena Hofer
Zuletzt aktualisiert am 17. Juni 2026